Was Spiritualität bedeutet
Spiritualität gehört keiner Religion. Sie lässt sich auch nicht als «einzige Wahrheit» pachten. Spiritualität ist älter als jede Religion, denn Menschen haben Verbundenheit erlebt, lange bevor sie dafür Systeme geschaffen haben.
Das Wort stammt vom Lateinischen «spiritus» und bedeutet Geist, inneres Wesen, Lebenskraft, Atem, Hauch. In seiner ursprünglichen, unverzerrten Bedeutung meint Spiritualität schlicht die bewusste Beziehung zum eigenen inneren Wesen.
Tiefenpsychologisch übersetzt geht es um die Suche nach Sinn, um Verbundenheit mit allem Sein, um Transzendenz jenseits des Materiellen – um das Unsichtbare hinter dem Sichtbaren. Mit anderen Worten: Es geht um das, was das erfahrbare Leben prägt, Menschen bewegt und sie zu innerem Wachstum anregt – oft anfänglich unbewusst. Und da jeder Mensch einzigartig ist, seine eigene Wahrheit trägt und seinen eigenen Weg geht, ist auch Spiritualität individuell und nicht dogmatisch.
Einem alten Wissen folgend, einer inneren Intuition vertrauend, ist Spiritualität die Hinwendung zum Wesentlichen, zum Lebendigen, zum Bewusstsein hinter den Formen und allem rational Erklärbaren. Sie ist keine Lehre, kein Glaubenssystem und keine Institution, sondern eine Erfahrung – meist verbunden mit einem Gefühl von Getragensein. Im Alltag kann sich das in erhöhter Achtsamkeit, Menschlichkeit, intensiverem Naturerleben oder einer tiefen inneren Stärke zeigen – einer Kraft, die trägt, auch wenn das Leben herausfordert, und die aus einem Vertrauen in Sinn und Ordnung entsteht. Manchmal geschieht dies auch durch prägende Erlebnisse oder scheinbare Zufälle, in denen sich durch echte Reifung die Gewissheit einstellt, Teil eines grösseren Ganzen zu sein und selbst Verantwortung dafür zu tragen.
Spiritualität bewegt sich in den grossen existenziellen Fragen wie im Finden innerer Ganzheit und in einer stimmigen Beziehung zu sich selbst, zu anderen und zu einer höheren Wirklichkeit, die Raum für das Unerklärliche lässt. Viele nennen diese Ebene das Göttliche oder das Universelle – ohne damit Religion zu meinen. Denn auch diese Begriffe sind ursprünglich neutral und verweisen auf das, was nicht benannt, sondern nur erfahren werden kann. So wie ein Mensch zu leuchten scheint, wenn er im Einklang mit sich selbst ist.
Daher gilt hier: Religiöse Überzeugungsdiskussionen sind nicht Teil dieses Raums.
